Vererbte Muster

Den Erfahrungsschatz neu verorten, Richtung Zukunft. Gewohnheiten durch neu verankerte Prozesse im Nerven- und Körpersystem ersetzen.

Lese heute die Mitteilung einer Vertrauten, sie feiert den fünften Geburtstag ihrer Hündin mit dem Hinweis »Thanks for being my free therapist«. »Die Gedankenflut an die Leine legen, wie einen Hund« kommt mir in den Sinn. Die Vertraute beschäftigt sich intensiv mit der Ausbildung ihrer Vierbeiner. Diese benötigen klare Befehle, Körpersprache und Stimme müssen eindeutig sein − ohne Struktur können Hunde und ich nicht lernen. 

Biologie der Erkenntnis

In seinem Werk „Biologie der Erkenntnis: Die stammesgeschichtlichen Grundlagen der Vernunft“ (erstmals 1980 erschienen) begründet Rupert Riedl die Evolutionäre Erkenntnistheorie (EE) aus biologischer Sicht. 

Kernkonzepte und Thesen

  • Der ratiomorphe Apparat: Riedl bezeichnet so das Gesamtsystem unserer vorbewussten Erkenntnisleistungen. Dieser „Verstand vor dem Verstand“ hat sich evolutionär entwickelt, um das Überleben in der realen Welt zu sichern, und bildet die biologische Basis für unser rationales Denken.
  • Vier zentrale Hypothesen: Er postuliert, dass unser Gehirn mit angeborenen Erwartungsstrukturen arbeitet, die biologisch verankerten Kategorien (ähnlich den Kategorien Kants) entsprechen:
    1. Hypothese vom anscheinend Wahren: Die Annahme, dass unsere Wahrnehmung ein hinreichend getreues Abbild der Realität liefert.
    2. Hypothese vom Ver-Gleichbaren: Die Fähigkeit, Ähnlichkeiten und Strukturen in der Umwelt zu erkennen.
    3. Hypothese von den Ur-Sachen: Die angeborene Neigung, Ereignisse kausal zu verknüpfen.
    4. Hypothese vom Zweckvollen: Das Bestreben, Absichten oder Funktionen hinter Phänomenen zu vermuten.
  • Evolution als Erkenntnisprozess: Für Riedl ist die biologische Evolution selbst ein Prozess des Lernens und der Informationsgewinnung über die Umwelt. Organe sind demnach „verkörperte Hypothesen“ über die Außenwelt (z. B. entspricht das Auge den physikalischen Eigenschaften des Lichts).
  • Systemtheorie der Evolution: Er kritisiert eine rein selektionistische Sicht (Darwinismus) als unzureichend und betont die inneren Gesetzmäßigkeiten von Organismen, die den Spielraum der Evolution einschränken („Systembedingungen“). 

Riedls Ansatz schlägt eine Brücke zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften, indem er zeigt, dass menschliche Vernunft kein vom Körper losgelöstes Phänomen ist, sondern das Ergebnis einer Jahrmillionen alten Anpassungsgeschichte. 


Neurowissenschaften

sind ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das sich mit dem Aufbau und der Funktion des Nervensystems und Gehirns beschäftigt, um Mechanismen von Gedächtnis, Emotionen und Krankheiten zu verstehen, wobei Methoden aus Biologie, Medizin, Psychologie, Physik und Informatik zusammenfließen, um Erkenntnisse zu gewinnen und Therapien zu entwickeln. Sie erforschen das Gehirn auf molekularer, zellulärer, systemischer und kognitiver Ebene, um Prozesse wie Lernen, Wahrnehmung und die Entstehung von Erkrankungen zu beleuchten. 1

Hauptbereiche und Methoden

  • Zelluläre & Molekulare Neurowissenschaften: Untersuchung von Nervenzellen und deren chemischen Prozessen.
  • Kognitive Neurowissenschaften: Erforschung der Gehirnprozesse hinter Wahrnehmung, Denken und Verhalten.
  • Neuroimaging: Bildgebende Verfahren zur Darstellung der Gehirnaktivität.
  • Neurophysiologie: Funktionsweise des Nervensystems.
  • Klinische Neurowissenschaften: Anwendung in der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder Schlaganfällen. 1

Interdisziplinäre Verknüpfungen

Medizin & Biologie: Verständnis von Krankheiten und Entwicklung von Behandlungen.
Psychologie: Verbindung von mentalen Prozessen mit neuronalen Aktivitäten.
Informatik & Robotik: Modellierung des Gehirns, künstliche Intelligenz.
Physik & Chemie: Erforschung der physikalischen und chemischen Grundlagen. 1


Im ERCM Medizin Podcast von Prof. Dr. med. Alexander Muacevic erklärt Dr. Aylin Thiel eindrucksvoll, was bei traumatischen Erfahrungen im Gehirn passiert – welche Rolle dabei das Angstzentrum (Amygdala), das Gedächtniszentrum (Hippocampus) und der präfrontale Cortex spielen, jener Bereich, der uns hilft, Gefahren objektiv zu bewerten.


    Rupert Sheldrakes Theorie der morphogenetischen Felder postuliert, eine Hypothese, die in der Wissenschaft umstritten und oft als pseudowissenschaftlich eingestuft wird, aber in alternativen Theorien Anklang findet, da sie eine Erklärung für Phänomene wie Telepathie oder kollektives Lernen liefert. Diese Felder, auch morphische Felder genannt, sind nicht-materiell, existieren außerhalb von Raum und Zeit und ermöglichen eine Art Informationsaustausch zwischen Individuen derselben Art durch 
    Kernpunkte von Sheldrakes Theorie 
    Formgebung (Morphogenese): Morphogenetische Felder wirken wie nicht-materielle Blaupausen, die die Entstehung von Strukturen in der Natur leiten, von Proteinen bis hin zu ganzen Organismen.

    Kollektives Gedächtnis: Sie speichern Informationen und Gewohnheiten früherer Generationen, die dann auf nachfolgende Generationen übertragen werden, was zu einem »kollektiven Lernen« führt.
    Morphische Resonanz: Dies ist der Mechanismus, durch den Informationen zwischen ähnlichen Feldern über große Distanzen ausgetauscht werden, unabhängig von Zeit und Raum.
    Erweiterung: Sheldrake erweiterte das Konzept auf Naturgesetze selbst, die dadurch zu »Gewohnheiten der Natur« werden könnten.2


    Rupert Riedl war Atheist, der ukrainische Lieder liebte, Rupert Sheldrake ist bekennender Christ. Durch einen Freund, der lange in Indien lebte und einen Yoga Lehrer hatte, lernte ich die Bhagavad Gita kennen. Die Bhagavad Gita („Gesang Gottes“) ist eine 700 Verse umfassende hinduistische Schrift in Sanskrit und gilt als Eckpfeiler der indischen Philosophie und Spiritualität. Sie ist Teil des sechsten Buches des altindischen Epos Mahabharata.

    Der Dialog: Der Text ist als Gespräch zwischen Prinz Arjuna und seinem Wagenlenker, Krishna, einer Inkarnation Vishnus, verfasst.3

    Das Schlachtfeld: Der Dialog findet auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra kurz vor einem großen Bürgerkrieg statt. Arjuna ist von moralischer Verzweiflung überwältigt angesichts des Gedankens, gegen seine eigenen Verwandten und Lehrer kämpfen zu müssen.3

    Der Rat: Krishna rät Arjuna, seine Pflicht (Dharma) als Krieger zu erfüllen, und gibt ihm einen umfassenden spirituellen Diskurs über das Wesen des Lebens, die Seele und das Universum. Hauptthemen der Philosophie
    Die Bhagavad Gita beschreibt verschiedene Wege (Yogas) zur spirituellen Erkenntnis und Befreiung:
    Karma Yoga: Der Weg selbstlosen Handelns ohne Anhaftung an die Ergebnisse.
    Bhakti Yoga: Der Weg der Hingabe und Liebe zum Göttlichen.
    Jnana Yoga: Der Weg des Wissens und der Unterscheidung.
    Raja Yoga: Der Weg der Meditation und Selbstdisziplin.3


    Dr. Gunter Schmidt - Hypnosystemischer Ansatz

    Die hypnosystemische Therapie nach Gunther Schmidt verbindet Erickson’sche Hypnotherapie mit systemischen Ansätzen, um unwillkürliche Prozesse (unbewusste Muster) zur Lösung von Problemen zu nutzen. Sie fokussiert darauf, vorhandene Ressourcen zu aktivieren, Wahlfreiheit zu erhöhen und Symptome als Lösungsversuche umzudeuten. Statt klassischer Trance ist sie ein ressourcenorientierter, kompetenzfokussierter Dialog. 

    • Integration: Verknüpfung von hypnotherapeutischen Methoden (Trance, Bilder) mit systemischer Perspektive (Kontext, Interaktion).
    • Umgang mit Symptomen: Probleme werden nicht nur bekämpft, sondern als »unwillkürliche, aber ungeschickte Lösungsversuche« verstanden.
    • Selbsthypnose-Fokus: Der Ansatz geht davon aus, dass Klienten Probleme »autohypnotisch« (durch Einengung des Blickfelds) erzeugen und dies in eine »Lösungstrance« umgekehrt werden kann.
    • Ressourcenfokussierung: Der Therapeut agiert als "Realitätenkellner«, der hilft, hilfreiche Fähigkeiten und Netzwerke zu aktivieren, die im Erlebensrepertoire gespeichert sind. 
    • Einsatzfelder: Psychotherapie (insb. Depression, Burnout), Beratung, Coaching, Führung.
    • Techniken: Nutzung von Metaphern, Externalisierungsstrategien (Distanzierung vom Problem), Teile-Arbeit und Fokus auf Ausnahmen vom Problem.
    • Prozess: Klärung des Kontextes, Aufbau von Vertrauen, Zielvisionen entwickeln und Abgleich von Problem- und Lösungsmustern. 

    Der hypnosystemische Ansatz gilt als effektiv bei hartnäckigen, chronifizierten Problemen und fördert die Eigenverantwortung des Klienten

     

    Der in Hamburg lebende Armin Jäger beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Zen: »Die Ausbreitung des Buddhismus lässt sich mit einem umgekehrten Flusssystem vergleichen: Eine starke ursprüngliche Quelle, von der viele Flüsse abzweigen, hauptsächlich in nördlicher und östlicher Richtung und erst viel später nach Westen, in unsere Weltgegend. Dennoch hinkt der Vergleich, so ist das ursprüngliche Quellgebiet – Indien – weitgehend ausgetrocknet. Und an anderen Orten in seinem Verlauf haben sich neue Quellen aufgetan. Da gab es „Nachfolge-Buddhas“, die den Buddhismus neu belebten und starke Gemeinschaften entstehen ließen. Was die Gemeinschaft betrifft, der ich angehöre: Die Soka Gakkai – übersetzt „werteschaffende Gemeinschaft“ – dürfte heute weltweit die größte buddhistische Gemeinschaft sein.«

    Ich beginne den Tag meist mit einer Seite aus dem Jahreslesebuch »Mit Herz und allen Sinnen« von Pater Anselm Grün, das mich seit 1999 begleitet. Es ist abgegriffen, doch es fehlt mir, wenn ich nicht darin lesen kann. Auf »Soziale Medien« kann ich tage- und wochenlang verzichten, auf die Innenschau mit Hilfe von Freunden und Büchern nicht. Die kommunizieren miteinander innerhalb meiner Gedankenwelt, das öffnet mir neue Resonanzbögen, mitunter auch unter Zuhilfenahme der KI, die Abschnitte1-3.

    Was fühle ich in meinem Körper, mit meinen Sinnen, was denkt mich? Der innere Wertemaßstab richtet sich nach »ist es für das Lebendige, das Leben an sich«. 


    Prag, 19. Jänner 2026, Milena Findeis

    Danke Armin Jäger für die Aufzeichnung unseres GesprächesWesentlich werden heißt: genauer werden mit sich selbst. Milena Findeis spricht über ihren Lebens- und Arbeitsweg, der nicht durch Verzicht, sondern durch Klärung geprägt ist. Wir sprechen über das Loslassen von Ansprüchen. Über die leise, aber anspruchsvolle Praxis, dem Wesentlichen im eigenen Leben näherzukommen.

    Zeichnung von Armin Jäger

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    Grünsymphonie

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    4.5.2026 Schauend öffnet sich Grünes/ entwickelt sich in vielen Tönen/ das Spüren wahrnehmen/ von alten Denkmustern entsorgt/ freigespült von Zukunftsangst für einen Augenblick

    Zwischen (W)Orte

    Klagenfurt - Czernowitz

    Milena Findeis, Tscho Findeis, Iryna Vikyrchak

    Erinnerungen, geweckt - ZeitZug: Czernowitz - Prag - Wien, Iryna Vikyrchak (rechts), Tscho (Mitte) Milena Findeis (links)