Humanitärer Korridor
Igor Pomerantsev
Der folgende Essay von Igor Pomerantsev erschien am 10.8.2022 in THE OXONIAN Review unter dem Titel »Der Tod ist ein Meister aus Russland«. Kate Tsurkan ist es ein Anliegen, ukrainische Autoren in englischsprachigen Medien zu veröffentlichen. Der Aufsatz wurde von Frank Williams aus dem Russischen ins Englische übersetzt. Nach einem Treffen mit Igor Pomerantsev am 16.5. 2025 in Prag habe ich den Essay ins Deutsche übertragen und mich für den Titel Humanitärer Korridor entschieden. So lautete eine Podcast Reihe die Igor für die russische Ausgabe von Radio Free Europe, Radio Liberty gestaltet. Wie lange Radio Free Europe noch weiter senden kann, steht zur Zeit nicht fest.* Milena Findeis, 17.5.2025
Der Tod ist ein Meister aus Russland
In meinem Podcast „Humanitärer Korridor“
wechseln sich Worte mit Tränen ab

1901 geboren in Czernowitz, 1988 gestorben in Düsseldorf
Neben dem Mikrofon im Studio steht eine Flasche Wasser und daneben liegt eine Packung Taschentücher. Die Geschichten der Geflüchteten ähneln einander: Explosionen, defekte Aufzüge, vom vierzehnten Stock in den Keller rennen, dann nach der Entwarnungssirene wieder vierzehn Stockwerke hinauf in eine Zweizimmerwohnung. Das Chaos der Menschenmassen am Bahnhof, wie in alten Kriegsfilmen; Kinder, die ihre Eltern verloren haben; Hunde, die an der Leine zerren; 72-stündige Zugfahrten bis zur polnischen oder rumänischen Grenze; sympathische Freiwillige; ein fremdes, aber einladendes Land. Für viele Schutzsuchende ist es die erste Erfahrung im Ausland. Bis zum Krieg hatten sie weder Zeit noch Geld für Auslandsreisen.
Ich fühle mich wie ein Röntgentechniker, der ohne Bleischürze arbeitet. Jeden Tag bin ich einer hohen Dosis Trauer ausgesetzt. Mein „Korridor“ ist riesig und erstreckt sich über ein Viertel Europas. Es ist wie ein Gemälde mit einem biblischen Hintergrund: Frauen und Kleinkinder wandern einen Korridor entlang. Die Männer blieben, um zu kämpfen. In der einen Hand tragen die Frauen drei Einkaufstüten mit den Überresten ihres alten Lebens, in der anderen halten sie einen Jungen oder ein Mädchen fest. Die Kinder haben Tränen und Rotz auf den Wangen und einen Schuhkarton unter dem Arm, in dem sich ein Kätzchen oder Welpe befindet.
Diese Ukrainer sind nicht die ersten Geflüchteten in meinem Leben. 1999 berichtete ich für Radio Liberty von der albanisch-jugoslawischen Grenze. Ich stand an einem albanischen Grenzposten und eine riesige Menge kosovarischer Asylsuchende kam auf mich zu. Sie kamen mit grimmigem Gesicht und schweigend, doch sobald sie die Grenze überquerten, begannen sie zu klagen. Es war wie eine griechische Tragödie, und mir kam der Gedanke, dass die alten Griechen die Katharsis nicht erfunden hatten. Sie haben aufgezeichnet, was sie beobachtet haben.
Das Zischen und Knistern der Kurzwelle sind ideale Geräusche fürs Radio: Sie müssen nicht in andere Sprachen übersetzt werden. Ungefähr fünfzig ihrer Geschichten wurden gehört und gesendet, und ein halber Liter Tränen wurde vergossen. Meine eigene Flucht ist ein halbes Jahrhundert alt, hat aber nichts an Gegenwärtigkeit verloren: Gewalt, und die Quelle der Gewalt ist dieselbe wie heute: mein Heimatland Russland. 1976 wurde ich verhaftet, weil ich „verbotene Bücher“ gelesen hatte. Sie haben mir weder Nadeln unter die Fingernägel gestochen, noch haben sie mir ins Gesicht uriniert. Aber sie drohten mir: „Sie werden in das Lager geschickt.“ „Ich warne Sie, was dort passiert, unterliegt keiner Kontrolle.“ Ein Sowjetangehöriger meiner Generation wusste, was sie meinten: Im Lager angekommen, würde ich der „Schokoladenfabrik“ zugeteilt und als „Gefängnisschlampe“ eingesetzt werden. Das ist meine Geschichte.
* * *
Es ist wie ein abgedroschener Witz, den Sie schon Dutzende Male gehört haben, oder wie ein mieser Thriller, den Sie als Kind geliebt haben, aber es ist wahr. Wenn das KGB im Morgengrauen mit einem Haftbefehl kam und Ihre Mutter, Ihr Mann, Ihre Frau oder vielleicht sogar Sie selbst verschlafen fragten: „Wer ist da?“, lautete die Antwort vielfach: „Telegramm!“ Sie brummelten schläfrig vor sich hin und versuchten, alles so zu erledigen, dass Sie wieder in Ihr warmes Bett und weiterschlafen konnten: „Einen Moment!“, zogen alles an, was Ihnen in die Hände fiel, suchten in der Tasche nach Kleingeld und öffneten die Tür. Merkwürdigerweise war es nicht die Tatsache, dass sie gekommen waren, um dich zu holen, und auch nicht, dass sie dich so früh aufgeweckt hatten, die am meisten weh tat, sondern dass du darauf hereingefallen bist, als sie „Telegramm!“ sagten. Und Sie haben ihnen geglaubt, wie ein Kind, und jetzt hielten Sie dummerweise eine Münze in der heißen, verschwitzten Hand und wollten ob der gelungenen Täuschung weinen.
Was dachten diese postalischen Unglücksboten, diese Angstfalken in solchen Momenten? Sie wurden – ihrer gesamten Ausbildung entlang – auf solche Aufgaben mental vorbereitet! In der fünften Klasse, ging ich in die Turnhalle, um meinen großen Bruder bei einem Judo-Wettkampf anzufeuern. Ich war verblüfft, wie der Trainer immer wieder schrie und brüllte: „Töte ihn, Valka, töte ihn!“ Valka war mein Bruder. „Er“ war das andere Kind. Der Zeitungsbegriff für derartige Ausbrüche eines Trainers, Lehrers oder Mentors war respektabel: „Sporteifer“. Aber ich habe seine Worte wörtlich genommen. Ich wollte aufspringen und Valka zurufen: „Hör nicht zu, töte ihn nicht!“
Die KGB-Männer waren von derlei Berufseifer erfüllt. Sonst, so scheint es mir, hätten sie nicht im Morgengrauen einen unschuldig schlafenden Menschen in Haft nehmen können. Sie hegen eine instinktive, tief verwurzelte Abneigung dagegen, als KGB bezeichnet zu werden. Warum sie vor einem rein offiziellen und professionellen Wort zurückschrecken, ist mir schleierhaft, und dennoch nennen sie sich lieber „Tschekisten“, nach der ersten bolschewistischen Geheimpolizei, der Tscheka.
Blutbespritzte, tränenbefleckte Worte sind für sie aus unbekanntem Grund heldenhafter und romantischer, obwohl es ihnen an Heldentum und Romantik mangelt. Verflucht! Was für eine Romantik kann es sein, Telefongespräche zu belauschen, Denunziationen oder private Briefe zu lesen, Formulare zu studieren, im Dienst verbotene Veröffentlichungen durchzublättern, Abteilungs- und Parteibesprechungen über sich ergehen zu lassen, Artikel für die Wandzeitung zu schreiben, Informanten anzuwerben, Angst vor dem Chef zu haben, spät in der Nacht „Voice of America“ zu hören, die Rolle eines intelligenten und ehrenwerten Elternteils zu spielen und nicht zuletzt Leute zu verhaften und zu verhören, die zumeist kein Geheimnis daraus machen, dass sie die offizielle Ideologie nicht teilen?
Meist gab es bei diesen Verhaftungen nicht den geringsten Hinweis darauf, dass eine Untersuchung stattgefunden hat. Es war das Waffengesetz. Sie könnten einfach eine Person verhaften, die anders ist als sie, jemanden, der sich nicht einmal die Mühe macht, seine Andersartigkeit zu verbergen. Ihr Job. Ihre Pflicht. Eintönig. Mit einem unangenehmen Beigeschmack. Sie wälzten Papiere und drehten Däumchen, wie jeder andere sowjetische Bürokrat.
Im September 1976 wurde ich sechs Tage hintereinander von einem Major und einem Oberstleutnant des Kiewer KGB verhört. Immer wenn der Oberstleutnant den Raum verließ, verlor der Major jegliches Interesse an mir und vertiefte sich in Schachrätsel, wobei er auf der Spitze seines Bleistifts herumkaute. Dies war keine raffinierte List, kein subtiles psychologisches Spiel, um einen Verdächtigen zu zermürben. Der Major vertrieb sich die Zeit und vertrödelte seinen Arbeitstag wie Millionen seiner sowjetischen Landsleute. Trotzdem verließ mich während dieser sechs Tage nicht einen einzigen Augenblick lang das Gefühl, dass meine gut informierten Vernehmer, diese eleganten Männer mittleren Alters, die einen gewissen Sinn für Humor hatten, einigermaßen kultiviert und einigermaßen gebildet waren, eine tödliche Gefahr für mich – für die Menschen, die ich liebte, für Menschen, die ich kannte und nicht kannte, für alle Menschen mit einer eigenen Meinung – darstellten.
Dieses Gefühl entstand nicht aus Panik oder Impulsivität. Ich sah, dass die Männer, die vor mir saßen, keine Wertvorstellungen hatten, kein Verständnis von Gut und Böse. Diese Männer zweifelten nicht daran, dass es eine Aktion geben könnte, die sie nicht durchführen konnten. Diese Leute ließen sich von einer erfundenen Berufsethik leiten, die ihnen das Recht gab, sich an schmutzigen und verabscheuungswürdigen Aktivitäten zu beteiligen: Sie schnüffelten und belauschten private Gespräche, zeichneten den Liebesakt ihrer Opfer auf, um sie später zu erpressen, und entschieden, welche Bücher ihre sowjetischen Mitbürger lesen durften und welche nicht.
Mir sank das Herz bei dem Gedanken, dass jemand von den Menschen, die ich liebte, vor diese Männer gebracht werden könnte, die jede Anweisung, jeden Befehl ausführen würden. Sie hatten etwas Wahnsinniges an sich, wegen der Genauigkeit und Logik ihrer Fragen, der Alltäglichkeit ihrer Gesichter und Uniformen, wegen ihres so typischen, normalen, banalen Aussehens.
Der Major und der Oberstleutnant mussten inzwischen tot sein und sich in der Stacheldrahtumzäunung einer anderen Sphäre befinden. Ihre Kinder und Enkel sind zurück in der Ukraine und fahren Panzer oder fliegen Bomber. Sie kamen im Morgengrauen zurück, ohne an die Tür zu klopfen und ohne vorzutäuschen, sie brächten ein Telegramm.
* * *
Am Tag vor der russischen Invasion, dem 23. Februar 2022, schlugen mir einige Freunde vom Kiewer Intellektuellenclub vor, einen Appell an die Ukraine, an die Ukrainer zu richten. Ich bin weder ein Staatsmann noch eine politische Persönlichkeit. Ich bin Journalist und Dichter Meine Stimme richtet sich an keine bestimmte Nation. Was mich mit der Ukraine verbindet, sind Menschen, Freunde, mit denen ich korrespondiere und die ich treffe, die ich liebe. Ich appelliere an Oksana und Sashko, Slava und Zhenia, Bronislav, Liudmyla, Borys, Valentyn, Andrii, Yurii und Nina, Taras und Yurii, Ihor, Valerii, Irina und Yevhenii, Tamara, Iryna, Larysa, Mark und Alla, Diana, Oksana, Iosif, Mykola, Viktoria, Yurii, Svetlana, Katra, Ia, Iryna, Taras, Anastasiia, Myroslav und Daniylo, Rostislav und Oksana, Olga, Zoltan, Sonya, Hanna, Serhii, Lidiia, Dmytro, Liusia und Borys, Tetiana, Anna, Roksalana, Marta, ...
„Unabhängigkeit“ ist für die Ukraine ein heiliges Wort. Was mich glücklich macht, ist unsere gegenseitige Abhängigkeit. Es ist eine wunderbare Art der Sucht. Wir sind Menschen mit einem Nervensystem und einem Blutkreislauf. Vor kurzem habe ich ein Gedicht über Kiew geschrieben, das Kiew an der Front. Ich habe mein ganzes Leben auf Russisch geschrieben. Lyrik hat eine innige Beziehung zur Sprache, bisher hat mir immer der Mut gefehlt, auf Ukrainisch zu schreiben. Aber dieses Mal habe ich beschlossen, mein Gedicht ins Ukrainische zu übersetzen. Meine Liebeserklärung ans Ukrainische:
Bahnhöfe zu Kriegsbeginn
Wir saßen auf Koffern, Taschen,
mit vielen anderen:
Familien, Singles.
Kinder spielten auf ihren Handys,
die Fragen der Erwachsenen spielten
Verstecken, Fangen.
Fahrkartenschalter waren geöffnet
Angestellte arbeiten
mit frisch geschminkten Lippen
Kateryna, Hanna,
Oksana Nikolajewna.
Niemand kaufte
alle warteten auf Nachrichten
...
Wenn Charkiw das Ziel war, dann die Karpaten
wenn Cherson, dann Tschernihiw,
Wenn Kiew bombardiert würde
dann ging es hinunter in die Höhlen und Katakomben,
die Maulwurfstunnel,
die unterirdische Stadt der Termiten.
Meine intellektuellen, gelehrten, kultivierten, zerbrechlichen Freunde! Sie haben keine weißen Fahnen am Revers. Sie möchten nicht schießen, Sie wissen nicht wie, aber Sie wissen, wie man liebt, und deshalb werden Sie es schaffen.
* * *
Vielen Dank, Karl Jaspers, für die Erläuterung des Begriffs „Grenzsituation“. Lassen Sie uns seine Grenzen erweitern. Eine Nation kann ebenso wie ein Mensch mit existenzbedrohenden und tödlichen Gefahren konfrontiert sein. Wir sind Zeugen, wie heldenhaft der Körper der Ukraine um sein Leben kämpft. Für einen Schriftsteller erstreckt sich die Grenzsituation auf das Gebiet der Sprache und der Sprachen. Für Schriftsteller ist eine äußerste Vertrautheit mit der Sprache notwendig. Auch der Tod ist ein Extrem. Wo verläuft die Grenze zwischen einer Sprache und ihren Nachbarn? Kann eine Sprache eine Bedrohung für eine andere darstellen? Es kann. Beispiele dafür gibt es in Hülle und Fülle: Alles kann ins Gegenteil gewendet töten, auch die Liebe.
In James Joyces „Porträt des Künstlers als junger Mann“ gibt es eine merkwürdige Episode: ein Gespräch zwischen dem Protagonisten Stephen und seinem Dekan für Englischstudien über die Bedeutung von Wörtern. Sie beginnen mit einer harmlosen Diskussion über den Unterschied zwischen Trichter und Verteilerrinne. Später gesteht sich Stephen ein, dass Englisch zuerst dem Dekan und erst später ihm, dem Iren, gehört. Für Stephen wird Englisch immer etwas sein, das er sich aneignen muss. „Die Sprache, in der wir sprechen, ist seine, bevor sie mir gehört.“ „Seine Sprache, so vertraut und so fremd, wird für mich immer eine erlernte Sprache sein.“ Im Finale des Romans kommt Stephen zu dem Schluss, dass die irische Version des Englischen eine entlehnte Sprache ist, und er beschließt, sie als Instrument zu nutzen, um der Seele eines gefangenen Irlands Ausdruck zu verleihen.
Ich erinnerte mich an diese Episode aus Joyces Roman, als ich einen Essay meines Sohnes Peter las, der ein britischer Schriftsteller ist. Es drückte eine Idee aus, die ich unerwartet fand; dass er, wenn er auf Englisch schreibt, die Last der Schuld und Verantwortung des Imperiums spürt und bereit ist, diese Last zu tragen.
Joyce ist warmherzig. Peter ist heiß. Mein gesamtes bewusstes Leben vor meiner Auswanderung in den Westen habe ich in der Ukraine verbracht. Ich habe es dort ausgegeben und dort gelassen. Trotzdem blieb Russisch immer meine Muttersprache. Krieg ist nicht nur für die Träger einer Sprache eine Grenzsituation, sondern auch für die Sprache selbst. Die Tötung einer Nation ist gleichzeitig die Tötung einer Sprache.
Ich bin Dichter und liebe meine Muttersprache. Meine Liebe ist heute noch gültig, aber sie ist schwierig und dramatisch geworden. Das Böse ist vielsprachig. Es spricht Hunderte verschiedener Sprachen. Es hat jedoch seine Favoriten. Man könnte von Muttersprachen sprechen. Der deutsche Dichter Paul Celan – er und ich lebten beide in derselben ukrainischen Stadt, Czernowitz – schrieb ein klassisches Gedicht über das Böse. Es heißt „Todesfuge“. Eine Schlüsselzeile darin lautet: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“ Heute trägt der Tod eine neue Uniform und neue Aufnäher. Gegenwärtig ist der Tod ein Meister aus Russland, und ich bin durch die Sprache mit ihm verbunden. In meiner Scheune gibt es einen Haufen Rechen zum Drauftreten, aber keine weißen Fahnen. Und das wird es auch nicht geben.
P.S. In Joyces letztem Roman Finnegan’s Wake finden sich Anleihen aus 70 Sprachen. Der sture Ire gab nicht nach.
* * *
Mitte Februar 2022 sagte der russische Botschafter in Schweden in einem Interview mit der Zeitung Aftonbladet: „Entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise, aber die westlichen Sanktionen sind uns scheißegal.“ Persönlich entschuldige ich ihn nicht, denn ein Botschafter sollte immer eine diplomatische Sprache verwenden, und wenn er das nicht tut, ist er kein Diplomat. 1995, während des ersten Tschetschenienkrieges, interviewte ich eine aus Grosny Geflüchtete namens Fatima. Ich stellte ihr die Frage, die alle Interviewer stellen: „Was hat auf Sie den größten Eindruck gemacht?“ Panzer? Bomben?" Sie dachte einen Moment nach und sagte dann etwas verlegen: „Die russischen Soldaten kamen in unsere Häuser, die wir verlassen hatten, und … schissen in unsere Betten.“ Ja, sie haben geschissen, es mit einer Decke zugedeckt, noch einmal geschissen und das Ganze mit Kissen abgedeckt. Wir konnten es nicht glauben." Als ich Natalka, eine Geflüchtete aus der Nähe von Tschernihiw, im März 2022 fragte, was sie bei der Ankunft der Russen am meisten überrascht habe, antwortete sie: ‚Sie haben unsere Häuser besetzt und in die Betten geschissen.‘
Die in Tschetschenien stationierten russischen Soldaten wurden entweder getötet, kehrten unter Schock nach Hause zurück oder starben friedlich in ihren Betten. Ihre Söhne oder Enkel kamen in die Ukraine und wiederholten genau das, was ihre Väter oder Großväter ihnen beigebracht hatten. Die Liste der Kriegsverbrechen enthält nicht den Punkt „sich in den Betten von Bürgern eines besetzten Staates zu erleichtern“. Ein solches Verhalten wird vor dem Internationalen Gerichtshof nicht zur Sprache kommen. Der Gestank wird bleiben.
*für den Sender Radio free Europe, Radio Liberty in Prag. RFE/RL, Inc. ist ein privates, gemeinnütziges Unternehmen nach 501(c)(3), das vom US-Kongress durch einen Zuschuss der United States Agency for Global Media (USAGM) finanziert wird. USAGM ist eine unabhängige Bundesbehörde, die alle zivilen internationalen Medien der USA beaufsichtigt, darunter Voice of America, Radio und TV Marti sowie die begünstigten gemeinnützigen Unternehmen RFE/RL, Radio Free Asia und die Middle East Broadcasting Networks. USAGM beaufsichtigt außerdem den Open Technology Fund, der die Entwicklung und Verbreitung modernster Technologien und Techniken finanziert, um den Bemühungen repressiver Regime und abgeschotteter Gesellschaften entgegenzuwirken, den Zugang zu objektiven Nachrichten und Informationen zu blockieren. Seit Jänner 2025 ist der Sender in Gefahr, nicht mehr von der USA finanziert zu werden. Es gibt Bemühungen seitens der EU und der Tschechoslowakei den Sender weiter zu erhalten.
